Prolog: Haltlose Hoffnungen oder irrationale Panik

Generell bin ich eher optimistisch. Bei den meisten Fragen im Leben habe ich tendenziell mit der positiven Antwort gerechnet, und glücklicherweise auch meistens recht behalten. Ähnlich sehe ich das  ganze im Bezug auf den Ausgang aus der aktuellen Corona Krise: eines Tages wird die bedrohlich steigende Kurve abflachen, und die Menschheit wird in Ermangelung einer endgültigen Lösung in Form eines Medikamentes schon dieses Abflachen als Teilerfolg verbuchen und das öffentliche Leben wieder ins Rollen kommen lassen. 

Ich wäre auch gar nicht in der Lage einen Endzeit-Epos zu verfassen. Dafür scheint all das, was sich in meinem Umfeld abspielt, viel zu beschaulich

Deswegen schreibe ich diesen Text auch nicht als letzte Worte eines Endzeitfanatikers, der mit dem nahen Untergang rechnet und seine letzten heilbringenden Gedanken mit der Menschheit teilen will. Sondern ich schreibe einfach, weil ich die Vorstellung interessant finde, diesen Text in der Zukunft zu lesen, und mich dabei an die irrationale Panik oder die unbegründeten Hoffnungen zurückzuerinnern, die ich damals hatte. 

Ich wäre aus meiner aktuellen Position heraus auch gar nicht in der Lage einen Endzeit-Epos zu verfassen. Dafür scheint all das, was sich in meinem Umfeld abspielt viel zu beschaulich: Ich sitze in einem Garten, es ist einer der wärmsten Frühlingstage diesen Jahres, im Nest über mir sind gerade zwei Dutzend Spatzenbabys geschlüpft, die gerade lauthals nach der Aufmerksamkeit ihrer Erzeuger verlangen. Sie sind ahnungslos von der Krise, die sich gerade auf ihrem neuen Heimatplaneten abspielt. Ich wäre genauso ahnungslos, wenn ich nur hier sitzen würde, schreiben ab und zu spazieren gehen und die Dinge tun würde, die ich sonst an einem ganz normalen Mittwochvormittag Mitte März machen würde.

es wird immer ein Vorher und ein Nachher gegeben haben

Doch dieser ganze unbeschwerte Schein scheint zu trügen: Dass nichts ist wie sonst, dass die ganze Welt gerade dabei ist, sich viel zu spät  auf die größte Krise des jungen Jahrtausends vorzubereiten, dass es -sollten wir diese Krise alle lebendig überstehen –  immer ein Vorher und ein Nachher gegeben haben wird, dieser Eindruck entsteht, sobald man die Nachrichten sieht. Wären die Nachrichten zur Zeit ein Gemälde müsste man es permanent in alle Dimensionen erweitern, in alle Richtungen neue Leinwand anstückeln, es immer wieder mit immer kräftigeren Farben übermalen und die Motive die von dieser Farbe geformt werden müssten immer weitgreifender und diverser werden. Am Ende jedes Tages verkündet ein Tagesschau Sprecher, welche Ausmaße die Katastrophe inzwischen angenommen hat, mit welchen neuen Maßnahmen sich die europäischen Länder nun wieder gegenseitig überboten haben wenn es um die Isolation der Bürger geht und dann fällt natürlich auch recht bald die Zahl, die keiner hören will, deren Größe auch keiner mehr recht begreifen kann. Die Zahl, hinter der die Summe all derjeniger Personen steckt, für die das Absurde wahr geworden ist, denen das passiert ist, worüber alle nur sprechen. Die Personen, die sich ungewiss jedoch mit dunkler Vorahnung einem Test unterzogen haben und dann die Diagnose erhalten haben. Die Diagnose, die sie zu Trägern eines Virus macht, für das es kein Medikament gibt. Ein Virus, über das die realitätsfremdesten Gerüchte kursieren. Ein Virus, das in aller Munde und vielleicht schon bald auf aller Schleimhäute ist. 

Ich kann meinen Beitrag zur Rettung der Welt einfach von zuhause aus leisten, so sagen sie: Indem ich das einzig richtige tue: Nichts.

Dennoch: Ich kann den Laptop jederzeit zuklappen, der mich mit diesen Bildern von geschlossenen Grenzen, verzweifelten Menschen und steigenden Kurven versorgt. Bilder, die nicht im Studio für einen apokalyptischen Blockbuster entstanden sind, sondern Bilder die Orte ganz in meiner Nähe zeigen: Krankenhäuser, Supermärkte, Parlamente. Das sind die Bilder eines Krieges, gegen einen unsichtbaren Gegner.

Ich kann meinen Beitrag zur Rettung der Welt einfach von zuhause aus leisten, so sagen sie: Indem ich das einzig richtige tue: Nichts. Welche Folgen dieses gewagte Unterfangen für mich hat und welche Erkenntnisse ich daraus für eine eventuelle Zeit nach dem Virus mitnehmen kann, werde ich in diesen Texten festhalten.

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„Du musst die Welt retten“ - so sagen sie. Leiste deinen Beitrag zum Fortbestehen der Menschheit und tu - nichts. 

Mit dieser Aufgabe schlicht  überfordert beschließt der Autor zumindest seine Gedanken aus dem Epizentrum der passiven Weltrettung zu teilen. Nicht gerade heroisch, doch zumindest prokrastinierend. Und genau darum geht es in dieser Krise.

Unregelmäßig neue Beiträge in Wort und Bild  

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